Trennungskind
Trennungskind

Trennungskind

Dieses Gedicht hat eine Jugendliche geschrieben. Ihre Eltern trennten sich als sie in die Schule kam. Nach der Trennung reduzierte der Vater den Kontakt zu seinem einzigen Kind immer mehr und brach ihn schließlich aus unbekannten Gründen ganz ab. Die Tochter versuchte immer wieder Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen. Dieser antwortete aber nicht, oder nur über seine Anwältin. Die folgenden Zeilen sind eine innere Antwort auf ein Schreiben der Anwältin, in dem der Vater seine Tochter beschimpft und für alles verantwortlich macht.

Vater

Ich kann nicht fassen, was Du da schreibst.
Und wie Du immer noch bei der Ansicht bleibst,
Dass all das, was Du mir da angetan hast,
Richtig war, und es weiter machst.

Was hab ich getan, dass Du so von mir denkst
Und so gar nicht an Deiner Tochter hängst?
Ich kann Dir sagen, dass es keinen Tag gab,
An dem ich mal nicht an Dich gedacht hab.

Wegen Dir bin ich hier, ich hab nichts verbrochen.
Was damals passierte, hat Dich sehr getroffen,
Das weiß ich, aber wie Du mich jetzt hier verletzt…
- Ich kann nicht glauben, dass Du das an Dir schätzt.

Ich glaub nicht, dass ich Dich je verstehen kann,
Denn wär es mein Kind- egal wie, wo und wann-
In jedem Moment würd ich alles für geben
Damit es mein Kind nicht bereut zu leben.

An meine Mutter zu denken - das tut Dir weh
Und was Du getan hast, glaub mir ich versteh
Genau was Du fühlst, nur ist’s für mich schlimmer...
Du vermisst sie nicht, aber ich Dich für immer.

 

Du denkst, meine Mutter sagt: „So meine Liebe,
Treff ihn und mach, dass ich Deinen Unterhalt kriege.“
Wie kannst Du nur so etwas denken von mir?
Wärst du näher bei uns, ständ ich vor Deiner Tür.

Ich hätt dort die letzten zehn Jahre gestanden
Und Du hättest getan, als wär ich nicht vorhanden.
Dass Du jetzt vor Gericht solche Lügen verbreitest…
Ich hoff, dass Du später darunter nicht leidest.

Denn weil Du so böse Dinge erfindest,
Sieht jeder Dir an, wie sehr Du Dich windest.
Du tust, was Du kannst, um Dich Dir selbst nicht zu stellen.
Ich wünschte, Du würdest den andern Weg wählen.

Ich will nicht, dass Du leidest und entschuldige mich,
Denn der Weg, den ich wählte, richtet sich gegen Dich.
Ich hab alles versucht, es MIT Dir zu schaffen.
Doch all meine Versuche nutzt Du jetzt als Waffen.

Ich hab Dich getroffen, um neu zu beginnen,
Um Dich irgendwie wieder umzustimmen.
Dass Du in mir nicht nur das Vergangene siehst,
Weswegen auch immer Du mich damals verließt.

 

Ich habe Dir alles erzählt von mir
Und jetzt ist für Dich all das eine Tür,
Um mich zu verletzen und Dich durchzulügen.
Doch ich sag Dir, Du tust Dich nur selbst betrügen.

Jedes einzelne Wort, das Du hier an mich wendest,
Trifft mich, als ob Du mich grade verpfändest.
Du könntest mich prügeln, treten und schlagen,
Glaub mir, all das würde ich schon ertragen.

Selbst die schlimmste Verletzung wär nichts gegen das,
Was Du auf den sechs Seiten von Dir gegeben hast.
Aber weißt Du, ich würd immer noch sterben dafür,
Dass Du zu mir sagst: „Aber jetzt bin ich hier!“

N. A.

 

 

 

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